Cover von Episode 0003: Balance – Work-Life Balance und die Suche nach erfüllten Prioritäten
 

0003 Work-Life Balance – Es gibt sie nicht

Lesezeit: 3 Minuten

Das Thema Work-Life-Balance ist ein Dauerbrenner in Kaffeepausen und Netzwerkgesprächen. Oft wird darunter ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben verstanden. Für mich ist das allerdings ein Missverständnis – was bedeutet Balance in diesem Zusammenhang eigentlich, und ist sie überhaupt realistisch?

Meine Erfahrungen

Schon in der Oberstufe begann ich, neben der Schule als Juniortrainer im Fitnessstudio zu arbeiten. Meine Leidenschaft für Sport verschmolz mit meinem Alltag: Morgens Training, Schule, und abends die Spätschicht im Studio. Das gab mir nicht nur die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, sondern auch, mein eigenes Geld zu verdienen. Schon damals wurde mir klar, dass „Arbeit“ mehr ist als eine Pflicht. Sie kann Freude und persönliche Erfüllung bedeuten.

Aus dieser Zeit stammt auch meine Sicht: Work-Life Balance gibt es nicht – und das ist auch gut so.

Die Illusion der Balance

Die Vorstellung einer idealen Balance klingt verlockend, doch besonders als ich Vater wurde, stellte ich fest, dass diese Balance oft einfach nicht existiert. Gerade wenn Kinder hinzukommen, wird plötzlich alles wichtiger: Familie, Beruf, Freizeit – und nichts davon lässt sich immer in perfekte Harmonie bringen. Stattdessen habe ich gelernt, dass es oft mehr um das bewusste Setzen von Prioritäten geht. Unsere Vorstellungen und Ansprüche an „Balance“ werden oft von äußeren Einflüssen geprägt, aber die Verantwortung für die Gestaltung unserer Zeit liegt letztlich bei uns selbst.

Trotzdem gelingt das natürlich nicht immer. Es gibt Zeiten, in denen berufliche Verpflichtungen wie Geschäftsreisen oder Deadlines im Vordergrund stehen und das Privatleben zurückstehen muss. Ebenso gibt es Phasen, in denen ich mir zwei Wochen komplett freinehme und bewusst keine E-Mails checke, um die Zeit mit meiner Familie zu genießen. Diese Phasen gehören für mich dazu und sind ein notwendiger Teil der Balance.

Arbeit ist mehr als nur Beruf

Arbeit bedeutet für mich nicht nur den Titel auf dem Lebenslauf. Sie umfasst persönliches Wachstum und die Chance, sich in Themen zu vertiefen, die langfristig inspirieren. Natürlich versuche ich, berufliche Kommunikation auf die Kernzeiten zu beschränken, und vermeide es, außerhalb der Arbeitszeiten E-Mails zu beantworten. Aber auch das gelingt nicht immer. Es gibt Momente, in denen ich lieber noch vor der Familie an einer Idee arbeite oder an Wochenenden etwas zu einem strategischen Thema recherchiere. Diese Zeiten sind wichtig für mich, und ich sehe sie nicht als „Arbeit“ im klassischen Sinn, sondern als eine Chance, mich weiterzuentwickeln.

Der Spagat zwischen Karriere und Familie

Mit Kindern wird der Spagat zwischen beruflichem Ehrgeiz und familiären Verpflichtungen zur täglichen Herausforderung. Studien belegen, dass sich zusätzlicher Einsatz im Job oft auszahlt, aber ebenso, dass es manchmal auf Kosten der Familienzeit geht. Mir ist wichtig, für meine Kinder präsent zu sein und die wertvollen Momente nicht zu verpassen. Aber die Realität ist, dass dies nicht immer klappt.

Mein persönlicher „Lifehack“ ist, den Tag früh zu beginnen, um morgens schon etwas geschafft zu haben, bevor meine Familie aufwacht. Doch es gibt Phasen, in denen diese Routine nicht funktioniert, weil ich beispielsweise unterwegs bin oder nach einer langen Woche einfach einmal ausruhen muss. Perfektion ist hier nicht das Ziel – es geht darum, ein System zu haben, das die meiste Zeit funktioniert.

Die Wahrheit hinter ‘Quality Time’

Der Begriff „Quality Time“ klingt oft nach Druck, jeden Moment perfekt zu nutzen. Für mich geht es jedoch eher darum, Zeit mit der Familie so zu gestalten, dass sie entspannt und möglichst frei von Plänen ist. Manchmal ist es genau das, was wir alle brauchen: ohne konkrete Aktivitäten ins Wochenende hineinleben und einfach die gemeinsame Zeit genießen. Auch hier geht es nicht darum, einem Idealbild zu folgen, sondern authentisch und gelassen miteinander Zeit zu verbringen.

My 2 Cents

Die perfekte Work-Life Balance ist, aus meiner Sicht, eine Illusion. Prioritäten bewusst zu setzen und sich aktiv um die eigenen Werte und Ziele zu kümmern, ist für mich das Entscheidende. Aber auch hier ist es eine Frage der Flexibilität: Die Realität verlangt, dass man sich manchmal auf Arbeit konzentriert und dann wieder Zeiten für die Familie schafft, in denen alles andere hinten ansteht. Das alles braucht ein gewisses Maß an Disziplin und Planung – aber auch die Bereitschaft, das System anzupassen, wenn es nötig ist.

Es ist eben nicht immer ideal. Aber die Balance, die wirklich zählt, liegt darin, ein erfülltes Leben zu führen, das beidem gerecht wird – mit der Flexibilität, die das Leben verlangt.

 
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